20 Feb 2006, 5:18pm
Allgemein
by ursula
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Projektbeschreibung – was denkt Ihr darüber?

Modulare Sitzgruppe

FERNFÜHLER

DER PLAN
Fernfühler beleben den öffentlichen Raum und bringen Gestalt und Gestaltung in das Bewußstein der Öffentlichkeit. Fernfühler können auch spielen, da sie mit anderen Fernfühlern verbunden sind und diese (bzw. die Menschen, die auf ihnen sitzen) in ihrem Verhalten beeinflussen können.
Das stadtplanerische Interesse ist es, den urbanen Raum zu beleben und – anstatt eine feste Architektur der Bestuhlung öffentlicher Plätze anzubieten – bewegliche Sitzgruppen zur Verfügung zu stellen, welche eine optimale Verteilung der Elemente ausprobiert. Anstatt einer Planung von oben kommt hier ein bottom up Ansatz zum Tragen, der die Bürger in der Gestaltungsprozess mit einbezieht.

DAS ANGEBOT

Fernfühler sind frei platzierbare Sitzmöglichkeiten. Die Sitze sind modular und können zu Ensembles zusammengeschoben werden oder einzeln stehen. Sie können zu Raumteilern mutieren oder sich vergrößern. Zudem spüren sie, was andere Sitze machen bzw. die Menschen, die auf ihnen sitzen. Und sie können auf das reagiern, was andere Tun. Sie sind robust, kostengünstig und unprätentiös.
Sie mögen gerne die Gesellschaft von Menschen, denn sie bewegen sich immer in Richtung von Personen.
Sie können hören. Wenn man sie ruft, kommen sie.
Sie halten sich gerne in der Nähe eines Tisches auf, in den ein Touchscreen eingelassen ist.
Alles, was die Fernfühler tun, ist auf einem grossen Touchscreen sichtbar. Dort kann man mit einer Netzstruktur spielen, über die die Fernfühler verbunden sind. Man kann die Bahnen der Hocker auf dem Platz steuern.

DAS KONZEPT

Eine nicht zu üppige Anzahl von Fernfühlern besiedeln den Platz.
Fernfühler sind intelligent. Es sind Möbel, die mit Rollen und einem Antrieb versehen sind. Sie können also sich eigenständig bewegen. Sie werden, sobald Menschen auf dem Platz auftauchen, sich in die Nähe der Menschen begeben, denn mit Microphonen horchen sie nach deren Stimmen.
Nun kann man Platz nehmen auf den Hockern, man kann Gruppen bilden oder alleine bleiben.
Dadurch, dass Fernfühler vorangig dorthin gehen, wo Menschen sind, wird die Möblierung des Platzes der Sturktur des Ortes entsprechen und sie verstärken.
Nun könnte man sich also auf den Platz setzen und beobachten, wie die Sitze wandern, wie Menschen auf sie reagieren. Man könnte auch versuchen, mit Rufen die Sitze anzulocken. Ohne weitere Eingriffe lernen die Sitze ihren Aufenthaltsort von den Menschen auf dem Platz.
Wem es zu langweilig wird, dem automatischenTreiben der Hocker zuzuschauen, der kann auf einem in einen Tisch eingelassenen Touchscreen spielen. Auf dem Bildschirm sieht man eine Netzstruktur mit Punkten an jedem Knoten. Jeder Fernfühler auf dem Platz ist ein Knoten dieses Netzes. Das Netz verbindet alle Fernfühler und legt sich gleichzeitig wie eine Haut über den Platz. Nun wird es verschiedene Möglichkeiten geben, über das Verändern der Grafik das Verhalten der Fernfühler auf dem Platz zu bestimmen.
Der Sinn der Installation ist es, den öffentlichen Raum für (junge) Menschen attraktiver zu machen. Mit dem Angebot der vernetzten Sitzgelegenheiten erleben sie den Platz als eine variable Stätte jenseits stabiler Architektur. Zudem können sie sich selbst als Regisseur am Touchscreen versuchen, indem sie über die Raumverteilung der Möbel das Passantenverhalten beeinflussen könne.

REALISIERUNG

Als Testumgebung bietet sich ein Schulhof an. Schulhöfe sind optimale Experimentierfelder für soziale Interaktion. Es sind Orte, die den Schülern gut bekannt sind, es sind Orte, an welchen sich sich mit ihren Freunden oder Mitschülern immer wieder in ähnlichen Konstellationen zusammenfinden. Ihr Verhalten kann also als ortsspezifisch betrachtet werden. Da die Schüler sich mehr oder minder kennen, ist auch davon auszugehen, dass Motivation zur Interaktionen besteht, da man sich untereinander kennt.

Auf einem Schulhof sollen eine Anzahl von mindestens 20 Hockern und Bänken den Schülern angeboten werden. Die Hocker können leicht geschoben werden, somit haben die Schüler die Möglichkeit, sich selbst ihren Schulhof einzurichten.
Die Produktion der Hocker können im Rahmen eines Workshops mit Schülern produziert werden. Es kann auf das im Unterricht erprobte Modell ASURO vom DLR zurückgegriffen werden, das für diese Anwendung modifiziert wird.

ZEITLICHER ABLAUF

zunächst kann die Installation für einen Ort ausgetestet werden.
Die Spielfunktionen mit dem Interface (Touchscreen) werden in situ mit den Spielern ausbrobiert und angepasst.
Dann kann die Installation in den öffentlichen Raum gehen.

DIGITAL

- Die Hocker
jeder Hocker ist gleichzeitig Knoten in einem virtuellen Netz, das alle Hocker verbindet. Die Knoten des Netzes sind „Neuronen“, sie lernen von Signalen, die die Hocker sozusagen empfangen. Hier sind die Geräusche und die Benutzung (Sitzen) der Hocker die Signale, die das neuronale Netz füttert.
Jeder Hocker hat einen Controller, an welchen ein Microphon und ein Drucksensor angebunden ist. Der Drucksensor vermeldet, ob jemand auf dem Hocker sitzt, das Microphon nimmt Umgebungsgeräusche, gefiltert auf menschliche Stimmen wahr.
Melden diese Sensoren Aktivität, so lernt der Hocker diese Position als positiv.
Das Netzwerk seinerseits verbindet alle Hocker und somit alle Aktivitäten des Platzes miteinander. Dafür hat jeder Controller ein Funkmodul, mit welchem es seinen Zustand an andere Hocker schicken kann.
Jeder Hocker, der sehr aktiv ist, zieht andere Hocker in seine Nähe. So herrscht eine stete Bewegung auf dem Platz mit der Tendez der Verdichtung an Orten, die von Besuchern bevorzugt werden.
Die gewählte Form des neuronalen Netzes (Kohonenkarte) hat die Tendenz, sich an Stellen hoher Aktivität zu verdichten.
Dieser Ort der Verdichtung wird zum Standort des Touchscreens.

- Der Tisch
Der Tisch ist ein stehendes Objekt mit einem grossen Touchscreen in der MItte. Man kann sich – auf den Hockern sitzend, bequem zu mehreren an den Tisch sitzen.
Man kann über das Berühren der Bildschirmfläche die Hockerlandschaft in mehrfacher Weise beeinflussen:
1. Man stimuliert das neuronale Netzes ducht Berühren der Knoten. Hierüber erlernden die Spieler das Funktionnieren von selbstlernenden Systemen (sie regeln langsam nach, reagieren nicht sofort, haben Nachbarschaftsregeln). Sie erleben sich selbst, sitzend auf den Hockern, als Teil einen Netzwerkes.
2. Man kann Hocker direkt Platzieren, indem man Knoten des Netzes (virtuell) herausnimmt und woanders hinsetzt. Dadurch bricht die Struktur des Netzes auf und bedingt ein Nachregeln, wobei deutlich wird, dass Eingriffe von aussen nur temporäre „Störungen“ sind und langfristig die Ortsstruktur und die Gewohnheiten der Passanten die Oberhand „gewinnen“.
3. Man kann das System in seinen Ursprungszustand zurückversetzen (reset) und bringt die Knoten/Hocker an ihre ursprüngliche Position zurück. Die Hocker bewegen sich dan so lange, bis sie gleichmässig über den Platz verteilt sind.
Fernfühler hören, was in der Nähe passiert. Sie haben eingebaute Microphone, deren Geräusche gefiltert werden auf das Spektrum menschlicher Stimmen. Diese Filterung dient dazu, festzustellen, ob sich Personen in der Nähe befinden und stimuliert das Gefährt, sich näher an diese Geräuschquelle heranzubewegen.

Hört sich recht interessant an. Ich denke, man muss noch weiter darauf achten, wie man eigentlich die beiden Ebenen im Netz, also die beiden entfernten Orte miteinander verbinden möchte.

Weiter hat man auch wieder das Problem, dass sich die Hocker an bestimmten Stellen sammeln werden.

Vielleicht dazu gerade noch als Idee, die mir eben gekommen ist, bevor ich sie wieder vergesse :-) : Die Bewegung eines Neurons beeinflußt ja die Bewegung der anderen Neuronen. Wenn sich andere Neuronen bewegen, könnte diese Bewegung aber wiederum die Bewegung weiterer Neuronen in diesem Bereich abschwächen. Dadurch wäre es möglich, dass sich einzelne Neuronen aus einem Pulk wieder lösen könnten, ohne dabei die anderen aus dem Pulk auch mitzureissen.

So, zum Namen fällt mir derzeit auch nicht viel ein. Aber ich werde mal drüber nachdenken.

Was Du unter Nähe und Beeinflussung schreibst, das – denke ich – sollte man ggf. über verschiedene Layer von Neuronen hinbekommen. Es sind einfach unterschiedliche Reaktionsformen (Abschwächen oder Verstärken). Man müsste das ja dann über das Regulieren von Schwellwerten machen – oder sehe ich da falsch?
Man muss vielleicht auch über Lokalität und Topologie nachdenken.

Der Gedanke war eigentlich Folgender:

Es wird ja, wie immer bei SOMs, ein Winner-Neuron gesucht. Dorthin wird
dann alles angezogen. Ich dachte man beläßt es nicht bei dem Winner-Neuron, sondern sucht ausgehend von diesem Winner-Neuron wieder das nächste Neuron, welches dann die für ihn gültige maximale Ablenkung bekommt. Dann geht man weiter und sucht weitere Neuronen, die dann nicht mehr die maximale Ablenkung bekommen, die ihnen eigentlich zustehen würde, sondern eine in der Hierarchie der Winner-Neuronen entsprechend geringere. Dadurch würden die ersten paar Neuronen noch recht stark abgelenkt, weitere, in der Hierarchie weiter unten liegende, nicht mehr so stark.

Das wäre, meiner Meinung nach, ein Mechanismus, wodurch sich Neuronen wieder lösen könnten.

Evtl. ist das sogar biologisch begründbar, da ja Impulse im Gehirn auch von Neuron zu Neuron springen und sich dabei abschwächen. Das wäre vielleicht auch eine Abbildung davon.

Namen: Ich hatte ein bisschen drüber nachgedacht. Stichworte wären ja: Ort, Verbindung, Fern, Interaktion, Gefühl, Empathie.

- OrtsInteraktion
- FernGefühl
- Fernfühl

Gefühl deshalb weil man ja die entfernten Orte interagieren läßt und somit ein Ort den anderen fühlt.

Naja gut, das erst mal die ersten Gedanken zum Namen. :-)

Ich hatte gerade die Idee, und wenn ich es richtig sehe, hattest Du die schon von Anfang an (oder?), dass die Hocker Eigenintelligenz (also einen Computer) besitzen. Sie geben ihre Impulse an die Hocker in ihrer Umgebung weiter, wodurch diese angezogen werden. Evtl. braucht man dadurch nicht mal ein Trackingsystem. Ich muss mir das mal noch überlegen, aber wenn man die Kommunikation unter Hockern ausnutzt und dabei berücksichtigt, dass über die Distanz Impulse abgeschwächt werden (viellleicht z.B. über Geräusche). Das könnte auch witzige Auswirkungen haben: Wird ein Hocker angeschrien, fühlt er sich angezogen. :-)

Dadurch würde das neuronale Netz nicht in einem zentralen Rechner existieren, sondern nur implizit im Raum durch die Hocker, die die Neuronen des Netzes sind.

Ein zentraler Rechner mit Touchscreen bekommt dann die Daten der Hocker und außerdem Trackingdaten (ok, hier braucht man es), um das zu visualisieren. Zur Steuerung könnten Lautsprecher in den Boden eingelassen sein, die Geräusche abgeben, um Hocker an bestimmte Orte, die auf dem Touchscreen berührt wurden, anzulocken.

Das ginge übrigens auch schon sehr stark in Richtung Ubiquitous/Pervasive Computing. Das finde ich sehr spannend, aber die Synchronisation der Hocker und, ach ja, man braucht ja auch eine Synchronisation mit der anderne Ebene, also dem entfernten Ort, das wird verdammt schwierig zu machen, denke ich. Insbesondere wenn sich die Impulse von Hocker zu Hocker abschwächen sollen, sodass sich Hocker auch wieder aus Sammlungen lösen können (war ja mein Vorschlag, um Ansammlungen zu vermeiden oder wieder auflösen zu können, würde auch einen Reset nicht mehr so nötig machen).

Man könnte vielleicht auch so etwas wie abstoßende Effekte/Geräusche einbauen, die Hocker von einer Position wegtreiben. Ich weiß noch nicht, wodurch solche Geräusche bedingt sein sollten, aber es hätte sicher auch was witziges. Und bei neuronalen Netzen ist es ja teilweise auch so, dass nicht nur mit Belohnung sondern auch mit Bestrafung gearbeitet wird (was aber schon ein sehr altes Konzept ist).

Ja, ich hatte das so angedacht, dass die Hocker untereinander kommunizieren und man kein Tracking hat. Und ich wollte auch Microphone an die Hocker ran machen, ich hoffe, man bekommt die Signale gut über Funk an einen zentralen Rechner.
In jeden Hocker würde ich ein GPS-Empfänger einbauen. Der kostet nix und gibt einigermassen korrekt die Position. Oder man macht kleine Sender rein, die geortet werden.
Wir haben ja noch die Ebene, dass man das neuronale Netz mit den Fingern bedienen kann. Man sollte nicht zu viel machen. Sonst wird es unübersichtlich.

Man könnte kleine Rechner mit WLAN- oder Bluetooth-Anbindung verwenden, in den Hockern. Die sind schon ziemlich klein geworden. Die brauchen eigentlich sogar nur empfangen zu können, nämlich die Einflüße von außerhalb, also dem Touchscreen (oder vom anderen Ort?).

Um die Positionen der Hocker zu bekommen und sie dann auf dem Touchscreen darzustellen, müßte man dann doch wieder irgendein Tracking verwenden. Außerdem müssen sie identifizierbar sein. Hmm, ….

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